Germania: Tod in Berlin von Heiner Müller

Der Dramatiker und Regisseur Heiner Müller setzte sich zeitlebens hauptsächlich mit der deutschen Geschichte und der „deutschen Seele“ auseinander.

Diese Themen verarbeitete er in stark überzeichneten, surrealen Bildern die viel Spielraum für Interpretation lassen. So auch beim Stück „Germania-Tod in Berlin“, das sich mit der jüngeren Geschichte Deutschlands und der Entstehung eines neuen Staates, der DDR, befasst. Soweit, so gut. Welcher Wahnsinn mich als blutiger Anfänger erwarten würde, als ich mich 2004 freiwillig für eine Rolle (später vier) bei der Inszenierung eben jenes Stücks im Rahmen des theater dreiecks meldete, war mir jedoch nicht bewusst. Das lag nicht an der engagierten Regisseurin oder den fleißigen Schauspielern, sondern am Stück selbst. Wer als „normaler“ Theaterfreund schon einmal ein Stück von Heiner Müller gesehen hat weiß, dass dieser mit fast schon dadaistischen Regieanweisungen arbeitet und für das Stück nicht weniger als 80 sprechende Figuren ersann. Dies gipfelte darin das jeder(!) Schauspieler mehrere Rollen spielte, teilweise in der selben Szene. Auch wurden manche Schauspieler zu Utensilien degradiert, die für das Stück notwendig waren, denn welches Laientheater hat schon einen Schnürboden? Oder einen Hund? Das ich in meinem ersten Theaterstück auch gleich Hitler spielen würde, der von Germania in den Schritt gegriffen wird, war auch eher Neuland für mich und in meiner Naivität vorher nicht abzusehen. Das tat meinem Enthusiasmus den (ausverkauften) Saal mit rollendem R zusammenzubrüllen jedoch keinen Abbruch.Alles in allem war es für mich und meine anderen Mit-Anfänger die z.B. auf der Bühne onanieren mussten, ein gelungener, wenn auch leicht anstrengender, Einstieg in die Schauspielerei.

Fotoauswahl

Bitte anklicken um zu vergrößern